Erfahrungsberichte

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Andrea Kapusta
Annette Pfitzner
Cornelia Langemeyer


Ein neues Leben in Balam Abaj...

Antonio Guarchaj Cajtunaj ist der Schreiner von Balam Abaj und 20 Jahre alt. Er baut Möbel und schnitzt Masken, die er auf dem Markt in Chichicastenango verkauft, und er hat für unsere Hütte ein Regal, einen Schrank und ein Fenster im ‘Berliner Stil’ gefertigt, was er lediglich mit seiner Machete bearbeitet hat.


Mutter & Kind genießen vier Wochen lang absolute Ruhe

Kleinkinder werden in Guatemala häufig auf dem Rücken getragenVor fünf Tagen sind er und seine 18-jährige Frau Manuela Eltern einer kleinen Tochter geworden. Hier ist es Sitte, dass die Mutter noch vier Wochen nach der Niederkunft absolute Ruhe genießen darf und mit dem Säugling das Bett hütet. Allein der Gang zum "Temascal" (Schwitzhütte) zur wöchentlichen Ganzkörperreinigung unterbricht für kurze Zeit diese Bettruhe, die von den Indígenas als Belohnung angesehen wird. Süßes Nichtstun ... ¡es costumbre, así es! (das ist der Brauch, so ist es halt!)

Wir sind in Balam Abaj, einer kleinen Streusiedlung mit 100 Indígena-Familien im westlichen Hochland Guatemalas, etwa 40 km von der Departamens-Hauptstadt Sololá entfernt. Unsere Unterkunft für die kommenden vier Monate ist der ehemalige Versammlungsraum des Dorfes, ein 20 qm großes Adobenhaus aus getrockneten Lehmziegeln, das direkt an der Baustelle liegt, wo die neue Schule mit drei Klassenräumen, Küche und Sanitäranlagen errichtet wird.

Am Abend folgen wir Antonios Einladung, Mutter und Kind zu besuchen, und jetzt stapfen wir zu zweit hinter ihm her, durch völlige Dunkelheit bei sternklarem Himmel. Nur eine Taschenlampe leuchtet uns den Weg durch die Maisfelder zur Hütte seiner Familie. Hier ist schon alles dunkel und wir fragen, ob es nicht schon zu spät sei für einen Besuch. Doch Antonio winkt ab und bittet uns herein. Ein rauchig-würziger Geruch schlägt uns entgegen, der Raum ist leicht vernebelt und nur vor der noch glühenden Feuerstelle sitzen der Vater und ein Onkel Antonios, die sich daran wärmen und sich leise miteinander unterhalten.

Wir treten ein, sagen ein leises "Buenas noches" (Guten Abend) und werden zum Matratzenlager der jungen Mutter geführt. Plötzlich regt es sich in allen Ecken, verschlafene Gesichter tauchen auf, kleine flinke Körper erheben sich von ihren Matten und umringen uns, die wir vor Manuela sitzen und fasziniert auf das kleine Bündel in ihren Armen schauen. Jetzt entfernt sie die Tücher und wir sehen verklebtes schwarzes Haar, eine winzige Nase und zwei Mokka-Augen, die in das Kerzenlicht blinzeln - Yolanda. Mittlerweile ist die ganze Hütte munter geworden und hat sich zu uns gesellt.


Vier Generationen leben in einem Raum

Viele Generationen leben unter einem DachGroßeltern, Eltern, Geschwisterkinder; vier Generationen unter einem Dach - 14 Menschen schlafen, essen, arbeiten und leben in diesem Raum, der nicht größer als ein gutbürgerliches deutsches Wohnzimmer ist. Sie alle starren uns an, freuen sich über unser Interesse, lächeln uns zu, lauschen unseren Fragen und den bewundernden Komplimenten, die wir den stolzen Eltern geben. Schließlich verteilen wir unsere kleinen Geschenke - einen Ohrring für Manuela und ein Schnitzmesser für Antonio - und verabschieden uns dann, damit wieder Ruhe einkehren kann in diesen Raum, der seinen ganz eigenen Zauber hat und uns unvergesslich bleiben wird.

Andrea Kapusta, Münster


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