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Eine Schule entsteht

Die Kontaktaufnahme
Ein Schulbauprojekt wird von Esperanza grundsätzlich nur dort realisiert, wo die Dorfbevölkerung einen Antrag darauf stellt. Esperanza legt Wert darauf, dass die Initiative immer von der Dorfbevölkerung ausgeht. Nur so kann ein dauerhaftes Engagement der Gemeinde für die Schule einigermaßen gewährleistet werden.

Die Kontaktaufnahme ist auf den verschiedensten Wegen möglich. Oftmals besuchen Dorfabgesandte unseren Architekten Luis Alberto Palacios in seinem Büro, es passiert aber auch, dass er oder Mitglieder des Vereins zum Beispiel auf dem Markt, im Bus oder bei Dorfbesuchen angesprochen werden. In einem Gespräch informiert sich Esperanza dann über die dörfliche Struktur und die Motivation der Dorfgemeinschaft. Voraussetzung für die Realisierung eines Schulprojekts ist immer auch eine Eigenbeteiligung der Dorfgemeinschaft in Form von Arbeitskräften sowie der Bereitstellung von Baumaterial wie Sand, Kies, Bruchsteine und Bauholz. Voraussetzung ist auch, dass Arbeitsverträge mit LehrerInnen schon bestehen, damit der Schulbetrieb nach Fertigstellung des Projektes garantiert wird.

Der schriftliche Antrag
Nach diesem Erstgespräch muss ein schriftlicher Antrag bei uns eingereicht werden, der in der Regel die Bedürfnisse des jeweiligen Dorfes hinsichtlich der Schulausbildung sowie statistische Daten zu der Anzahl der SchülerInnen, LehrerInnen und DorfbewohnerInnen beinhalten sollte. Der Antrag wird zunächst in unsere Antragsliste aufgenommen. Das klingt sehr bürokratisch, ist aber notwendig um bei der Fülle von Anträgen, die bei uns eingehen, nicht den Überblick zu verlieren.

Selbstverständlich werden sämtliche Daten der Antragsteller sorgfältig geprüft, entweder durch Vorstandsmitglieder oder durch Luis Alberto Palacios, unseren Architekten vor Ort. Oftmals sagen auch schon der erste Eindruck und das persönliche Gespräch viel über das Engagement eines Dorfes aus.

Die Entscheidung
Soll nun entschieden werden, in welchem Dorf die nächste Schule gebaut wird, werden sämtliche Informationen über die beantragten Schulprojekte zusammengetragen. Dabei spielen natürlich auch die Dringlichkeit und das vorhandene Budget eine Rolle.
Der Vorstand von Esperanza und Luis Alberto Palacios entscheiden in der Regel gemeinsam, welches Projekt realisiert wird. Danach kann unser Architekt die erfreuliche Nachricht dem Dorf mitteilen und alle notwendigen Maßnahmen für einen raschen Baubeginn in Angriff nehmen.

Der Schulbau
Es ist sicherlich schwer vorstellbar, dass weder ein Bagger noch ein Bauwagen oder andere Baumaschinen auf die Baustelle transportiert werden müssen. Man nehme Holz- und Eisensäge, Hammer, Maurerkelle, Lot, Wasserwaage, Eimer, Schubkarre, Bandmaß, Zange und für den Deckenguss einen Betonmischer - und schon ist eine guatemaltekische Baustelle fertig ausgerüstet. Materialien sind hauptsächlich Hohlblocksteine, viel Betonstahl, um den Bau erdbebensicher zu machen, Zement, Sand, Kies, Bruchsteine für das Fundament und Kalk für den Putz. Im Laufe der weiteren Bauphasen werden Türen und Fensterrahmen aus Metall eingebaut und die notwendigen Elektroinstallationen vorgenommen, falls das Dorf über einen Stromanschluss verfügt.

Die Einweihung
Wenn all diese Arbeiten innerhalb von etwa sechs Monaten - je nach Bauvorhaben - von ungefähr sechs Maurern und zahlreichen Hilfskräften abgeschlossen sind, fehlt eigentlich nur noch das Allerwichtigste: die Einweihungsfeier.

Warum ist die Einweihungsfeier so wichtig? Sie ist ein ganz besonderes Ereignis und für die Menschen eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Die Feier dauert häufig bis zu drei Tage. Dabei ist ein Tag meist den verschiedenen Kirchen im Ort und ein anderer einer Maya-Zeremonie vorbehalten. Beim offiziellen Tag der Einweihung, zu dem StadtvertreterInnen und VertreterInnen des Bildungsministerium geladen werden, übergeben wir offiziell das neue Schulgebäude an die Dorfgemeinschaft. Der Festakt wird immer mit dem Einzug der Nationalflagge, mit der Nationalhymne und dem Fahneneid begonnen. Dann folgen zahlreiche Reden, die häufig von der Bedeutung des neuen Gebäudes handeln, die Dorfgemeinschaft zu dessen Unterhalt und Pflege aufrufen und an die Familien appellieren, ihre Kinder in die Schule zu schicken, weil dies in Guatemala noch immer nicht selbstverständlich ist.

Auch den VereinsvertreterInnen wird die Gelegenheit gegeben, sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit zu bedanken und natürlich die besten Wünsche aus Deutschland zu überbringen.

Die Schlüsselübergabe
Es folgt die Zeremonie der Schlüsselübergabe an den Dorfobersten, der diesen an den/die DirektorIn weiterreicht. Aber bevor die Türen aufgeschlossen werden, müssen noch symbolisch Bänder zerschnitten werden, die als Andenken verteilt werden. Häufig wird auf Kosten des Dorfes eine Steintafel an das Gebäude angebracht, in der alle Namen der Verantwortlichen, Kosten und Danksagungen eingemeißelt sind.

Mit dem Mittagessen wird diese Zeremonie abgeschlossen und hier endet dann der lange Weg eines Bauprojekts. Ein sehr viel längerer beginnt allerdings nun: die Ausbildung der kleinen und großen DorfbewohnerInnen.