Nachhaltigkeit

Eine neue alte Bauweise

Esperanza e.V. und seine Partner haben es sich zum Ziel gemacht, vor Ort energie- und ressourcenschonend zu bauen. Dies beinhaltet einen sparsamen Einsatz von Energie und Rohstoffen, die Verwendung von ökologischen und lokalen Baustoffen – insbesondere aus nachwachsenden Rohstoffen – und  eine recyclingfähige, klimaangepasste und ökonomische Konstruktionsweise.

Esperanza e. V.

Baustoff Lehm

Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt heute noch in Lehmbauten. Als einer der ältesten, aber auch modernsten Bauweisen kommt er in verschiedenen Formen weltweit vor.
Dies steht mit der klimatischen Situation und der Verfügbarkeit lokaler Rohstoffe in direktem Zusammenhang. Im Gegensatz zu Zement, der in der Herstellung sehr energieaufwändig ist, kann Lehm in der näheren Umgebung aus dem Boden extrahiert werden. Sein Abbau verbraucht sehr wenig Energie. Auch das Recyceln von Lehmgemischen ist in der Regel ohne größeren Aufwand möglich.
Eine besonders wichtige Eigenschaft von Lehm ist sein positiver Einfluss auf das Raumklima. Lehm kann aufgrund seiner physischen Beschaffenheit das Raumklima besonders gut regulieren. Wenn es zu feucht im Raum ist, nimmt der verbaute Lehm die Feuchtigkeit auf, wenn es zu trocken ist, gibt er sie wieder ab. Ebenso kann er Schadstoffe binden und so die Raumluft reinigen.

Um aus dem natürlich vorkommenden Lehm einen Baustoff zu machen, wird dieser gemäß seiner Qualität (mager oder fett) mit mineralischen Füllstoffen (Sand) und pflanzlichen Zuschlagstoffen (Fasern als Bewehrungshilfe) gemischt. Es gibt unterschiedliche Techniken, in denen Lehm in den Schulbauten zum Einsatz kommen kann.

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Baustoff Bambus

Bambus ist in Größe, Leichtigkeit und Festigkeit ein extremes Produkt der Natur. Er wird auch als pflanzlicher Stahl bezeichnet. Aufbau und Eigenschaften entsprechen denen eines hoch modernen High-Tech-Werkstoffes: Er ist stabil, aber dank seiner Hohlräume extrem leicht und elastisch, wird durch die Trennwände verstärkt und hat physikalische Eigenschaften, die denen anderer Baustoffe wie Holz, Beton oder Stahl überlegen sind. Innerhalb einer Saison wächst der Bambushalm vollständig aus und „verholzt“ innerhalb von 5-7 Jahren. Während Holz einen harten Kern hat und nach außen hin immer weicher wird, ist Bambus außen hart und innen weich – ein viel stabilerer Aufbau. Im Hochland von Guatemala ist Holz außerdem nicht ausreichend vorhanden bzw. sehr teuer.
Damit Bambus als Baustoff vor äußeren Einflüssen, wie Insekten oder UV-Strahlung geschützt wird, muss er mit Bohrsäure und Lack behandelt werden.
Der Bambus, der in den Schulen von Esperanza e.V. verbaut wird, kommt von einer Plantage, die nachhaltig bewirtschaftet wird. Sie liegt ca. 100km süd-östlich vom Atitlansee entfernt auf einer Höhe von 350m.

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Die Konstruktionsweise

Bambus und Lehm können in unterschiedlicher Bauweise eingesetzt werden.
Grundsätzlich gilt: Um ein zweigeschossiges Gebäude erdbebengerecht zu errichten, sollte im Obergeschoss eine leichte Bauweise ausgeführt werden. Wände in leichter Bauweise werden durch ein Tragwerk aus Bambusrohren, das mit einem Flechtwerk aus Schilf und einem Lehmbewurf gefüllt wird, errichtet. Das Flechtwerk mit Lehmbewurf ist eine traditionelle Bauweise und wird „Bahareque“ genannt. Besonders bei Aufstockungen von schon bestehenden Betonsteingebäuden ist diese Bauweise sinnvoll. Bei einem Neubau gibt es die Möglichkeit, das Erdgeschoss aus schweren Lehmsteinen und das Obergeschoss in Leichtbauweise zu errichten – es lassen sich aber auch beide Geschosse in Leichtbauweise herstellen. Esperanza e.V. und seine Partner betreiben verschiedene Kooperationen mit Universitäten und Experten, um die Qualität der Gebäude zu erhöhen und die Arbeiter vor Ort zu schulen.